Der Austritt großer Gasmengen aufgrund der Beschädigung der russischen Gas-Pipeline Nord Stream lässt die Frage aufkommen: wurden die Rohrleitungen gesprengt? Falls ja, wie ist das sprengtechnisch möglich? Und wer ist dazu in der Lage? Der Versuch der Herbeiführung einer Arbeitshypothese.

Nord Stream-Rohre

(Wie) wurde Nord Stream gesprengt?

29.09.2022 Autor: David Domjahn

Zu den Aktualisierungen bitte nach unten scrollen.

Nach dem Vorliegen von Bildmaterial am 18.10.22 lässt sich die Ursache, wie es zu den Lecks in den Nord-Stream-Pipelines am 26.09.2022 kam, zwar besser eingrenzen. Eine definitive Aussage oder Rückschlüsse auf die Täterschaft sind nach wie vor nicht möglich. Aufgrund des Schadensbildes wird eine der im Folgenden vorgestellten Möglichkeiten der Sabotage durch Sprengung der russischen Gasleitung in der Ostsee durch staatliche Akteure wahrscheinlich. Zusätzliche Informationen sind im Wikipedia-Artikel aufgeführt.

Aktuell steht fest, dass an mindestens drei Stellen nahezu gleichzeitig Schäden an den Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 auftraten. Diese waren geeignet, die unter Druck (über 10 MPa / 100 bar) stehenden Gas-Pipelines zum Bersten zu bringen. Obwohl Nord Stream 2 bislang nicht in Betrieb ging, stand auch diese Gasleitung unter Betriebsdruck.

Die Destabilisierung europäischer Energieversorgungssysteme und weiterer kritischer Infrastruktur gehört zu weiteren täglich stattfindenden Sabotageversuchen: „Wir sind in einem fossilen Energiekrieg. Die Mittel, die da gewählt werden, sind drastisch“ sagt Prof. Claudia Kemfert, Leiter der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Auch mein Unternehmen (telematis Netzwerke GmbH) wehrt um die 30 Millionen Cyber-Angriffsversuche auf die interne IT-Infrastruktur ab, Tendenz in den letzten Wochen zunehmend.

Wir haben jedoch durch Einsatz mehrstufiger IT-Sicherheitslösungen marktführender Hersteller entsprechend Vorsorge geleistet. So erkennen wir auch Anomalien in unserem IP-Netz.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Fritz Pfeiffer, sachverständiger Hochschuldozent für Sprengstoff im Umfeld von Terrorlagen, USBV und CBRNE-Analytik für die wertvollen Rückmeldungen und Anregungen, die im Beitrag berücksichtigt wurden.

Kurz zu mir: seit 1996 verfüge ich über eine sprengstoffrechtliche Befähigung nach § 7 Sprengstoffgesetz (umgangssprachlich auch “Sprengmeister“), eine Erlaubnis nach § 7 SprengG und bin Lehrbeauftragter für Sprengtechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Themen meiner Vorlesung mit Praxisteil sind u. a. Methoden von Bauwerkssprengungen und baulicher Schutz vor Sprengstoffanschlägen.

Ist eine Sprengung der Nordstream-Pipelines denkbar?​

Dies ist nicht auszuschließen. Die Ausprägung der Seismogramme wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch ein Erdbeben verursacht, sondern Unterwasserexplosionen. Die betroffenen Erdgasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 sind einer Wassertiefe von etwa 70 Metern beschädigt.

Bei den Schwingungen im ersten Sechstel des Seismogrammes handelt es sich um ständige leichte Vibrationen, gefolgt von Erschütterungen durch die Detonation von mehreren hundert Kilogramm TNT-Äquivalent verursachten Explosionen. Die ausklingenden Schwingungen im hinteren Drittel könnten vom austretenden Gas aus Nord Stream verursacht sein.

«Bei Erdbeben gehen die seismischen Wellen von einer Fläche aus, bei Explosionen von einem Punkt» sagt Joachim Saul vom Deutschen Geoforschungsinstitut Potsdam. Im Seismogramm lässt sich dies unterscheiden.

Die in der Ostsee verlegten Stahlrohre der Nord-Stream-Pipeline 2 bestehen aus miteinander verschweißten 12-Meter-Segmenten. Sie haben einen Innendurchmesser von 1,153 m, eine Metallwanddicke zwischen 27 Millimetern bei Deutschland. Auf russischer Seite beträgt die Wandstärke 41 Millimeter dimensioniert für Drücke von bis zu 220 bar. In Deutschland beträgt der Gasdruck noch über 100 bar. Beide Pipelines bestehen aus jeweils zwei Strängen und alle vier Rohrleitungen sind seit dem 26.09.2022 unbenutzbar.

Die Zerstörung der NordStream-Gasleitungen mittels Sprengstoff ist möglich und naheliegend. Mit den im Folgenden betrachteten Varianten lässt sich eine Sabotage erreichen.

Seismogramm Nord Stream
Aufzeichnungen der Station Delary (DEL) des Schwedischen Nationalen Seismologischen Netzwerks (SNSN): Zwei Ereignisse im Abstand von wenigen Sekunden wurden registriert. Welleneigenschaften deuten ein nicht tektonisches Ereignis an. Quelle: Swedish National Seismic Network. Uppsala University

Wie könnte die Sabotage der Nord-Stream-Gasleitung ausgeführt worden sein?

Für eine detonative Zerstörung unter Wasser gibt es mindestens drei Möglichkeiten:

1) Mittels in die Stahlrohre eingebrachte Ladung von hochenergetischem Sprengstoff, wie z. B. Semtex oder C4 auf Nitropenta- bzw. Hexogenbasis (diese Methode erscheint nach Auswertung des Bildmaterials vom 18.10.22 unwahrscheinlich),

2) auf die Pipeline aufgebrachte Schneidladungen, die ggf. bereits an Land einbetoniert wurden und damit unauffällig sind – diese Methode wäre theoretisch möglich, konkordieren jedoch nicht zur Explosivstoffmenge laut Seismogramm,

3) von außen an die  betonummantelten Stahlrohre aufgelegte Munition (oder Beschuss) Diese Variante stellt nach Auswertung des Bildmaterials vom 18.10.22 die aktuell wahrscheinlichste Arbeitshypothese dar.

Mit allen drei Methoden lässt sich eine Zerstörung herbeiführen. Sprengungen unter Wasser sind sowohl im militärischen als auch im zivilen (gewerblichen) Bereich üblich und gängig. Wer bereits über eine sprengstoffrechtliche Befähigung verfügt, kann sich auf dem Sonderlehrgang Sprengen unter Wasser in einer Woche die Grundlagen dafür aneignen.

Gasaustritt in der Ostsee nach der Sprengung von Nord Stream
Gasaustritt nach Beschädigung der Nord Stream-Pipelines

Sprengungen unter Wasser haben zudem den Vorteil, dass aufgrund des “Verdämmungseffektes” des umgebenen Wassers bereits kleine Sprengstoffmengen große Wirkung erzielen.

In diesem Fall wurde auf das Prinzip maximale Wirkung mit minimalem Einsatz von Sprengstoff (bewusst?) verzichtet.

Möglichkeit 1: Sprengung der Nord Stream-Pipeline durch Einbringen einer Sprengladung

In diesem Fall wird in das offene Rohr Sprengstoff eingebracht und mit einem (zeitgesteuerten) Sprengzünder(n) versehen. Eine Menge plastischen Sprengstoffs im Kilogrammbereich ist hierbei ausreichend. Im Unterschied zu außen angelegtem Sprengstoff sind kleinere Mengen ausreichend, um mittels Sprengung die auf den Gasdruck ausgelegten Toleranzgrenzen der Rohrleitungen punktuell zu überlasten. Hier eignet sich plastischer Sprengstoff (fälschlicherweise oft als Plastiksprengstoff tituliert). Dieser zeichnet sich im Gegensatz zu Sprengstoffen auf gelatinöser Basis durch seine höhere Brisanz und längere Haltbarkeit von über 10 Jahren aus.

Diese Methode ist jedoch aus den folgenden Gründen eher unwahrscheinlich:

1) Das seismische Muster lässt auf eine Explosion mit höherer Nettoexplosivmasse schließen. Gemäß Auswertung der Seismogramme wird eine Sprengstoffmenge von mehreren 100 kg TNT-Äquivalent angenommen. Diese Explosivstoffmenge benötigt es jedoch nicht für eine eingebrachte Sprengladung, zumal der Durchmesser der Rohre mit über einem Meter keine sperrigen eingebrachten Hindernisse erlaubt. Oder solche bei der Inbetriebnahme bei Messungen bereits aufgefallen wären, zumal sie einen Druckabfall erzeugen.

2) Die Einbringung von Sprengstoff kann nur durch einen bekannten Personenkreis z. B. auf dem Verlegeschiff oder bei Wartungsarbeiten erfolgen.

Dementsprechend ließe sich der Täterkreis leicht eingrenzen.

Ein unerkannt bleiben wollender (staatlicher) Akteur wird dies versuchen, zu vermeiden.

3) Bei Inspektionsarbeiten mit Molchen (Inspektionsrobotern) bzw. anlässlich der Qualitätsprüfung beim Bau der Ostsee-Gasleitung von Russland nach Deutschland wäre eine in die Rohrleitung eingebrachte Sprengladung auffällig. Auch ein am Inspektionsroboter gezündeter Sprengsatz erzeugt Trümmer des Transportmittels mit dem Risko der Möglichkeit Eingrenzung des Täterkreises.

4) Die Auslösung in die Nord-Stream-Pipelines eingebrachter Sprengladungen könnte mittels zeitgesteuerter Initiierung der Sprengzünder erfolgen. Da eine Ansteuerung zur Auslösung mittels Funk aufgrund dickwandiger Abschirmung der Gasleitungen unwahrscheinlich ist, bedeutet dies, dass bereits beim Bau vor vielen Jahren der Zeitpunkt der Zerstörung im September 2022 hätte vorgegeben/programmiert werden müssen. Dies erscheint sehr unwahrscheinlich, zumal im Gegensatz zum Sprengstoff der Sprengzünder nur eine begrenzte Haltbarkeit von einigen Jahren besitzt und demzufolge das Risko besteht, dass der Sprengsatz aufgrund Versagens bei Inspektion oder Reinigung gefunden wird.

Von daher dürfte die Variante Einbringen von Sprengstoff unwahrscheinlich sein, zumal im Vorfeld der Zeitpunkt der Zündung mittels Zeitzünder über einen längeren Zeitraum im Voraus hätte bestimmt werden müssen. Nord Stream 1 wurde zudem ebenfalls beschädigt und ging bereits 2011 in Betrieb.

Möglichkeit 2: Sprengung der NordStream-Gasleitung durch außerhalb angelegte Schneidladung

Mittels Schneidladungen lässt sich unter Einsatz geringer Mengen von Sprengstoff auch Stahl in der Stärke und Eigenschaft der Nord Stream-Gasleitungen effizient trennen. Die Einsatzmöglichkeiten von Schneidladungen habe ich am Beispiel des Abbruchs eines Tagebaugerätes in einem Blog-Beitrag beschrieben.

Diese Linearladungen sind flexibel im Sinne der Biegsamkeit um Rohre. Sie lassen sich z. B. einsetzen, um diese vollständig zu trennen oder auch nur Teilstücke aus ihnen entfernen, wie im Video dargestellt.

Es wäre durchaus möglich, die Schneidladung samt Sprengzünder und Auslöseeinheit (Funksteuerung) unter der Betonummantelung bereits an Land zu platzieren. Hiermit wäre sie beim Verlegen unauffällig. Schneidladungen verlieren über viele Jahre nicht ihre Wirksamkeit. Der notwendige Sprengzünder dagegen altert über die Jahre und es besteht die Gefahr, dass dieser später nicht auslöst, d. h. die Sprengladung entdeckt wird. Dies würde den Täterkreis eingrenzen.

Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch Anlegen der Schneidladungen an die Rohre unter Wasser. Eine Positionierung auf der Betonummantelung halte ich für unwahrscheinlich, weil die Schneidladung so dimensioniert sein müsste, dass ihre Schneidleistung sowohl Beton als auch die Rohrleitung durchtrennt. Hier besteht immer die Gefahr, dass die Schneidladung den Stahl nicht (vollständig) durchdringt. Von daher erscheint es geeigneter, die Schneidladung zwischen den Betonummantelungen nach vorheriger Entfernung des Polyurethanrings (siehe dazu das Memo der NordStream AG vom Februar 2009) auf dem Stahlrohr zu positionieren. Eine Platzierung auf der Polyurethanschicht bei den Schweißverbindungen zwischen den einzelnen Rohrsegmenten wäre auch denkbar; dies erfordert jedoch wieder den Einsatz größer dimensionierter Schneidladungen, um ausreichende Schneidleistung angesichts des durch die Rohrisolierung erhöhten Abstand aufzubringen. Zudem ergibt sich keine glatte Schnittkante, wie sie auf den Unterwasseraufnahmen vermutet werden kann. Ein vorheriges Entfernen der Kunststoffaufüllung zwischen den Betonmänteln wäre daher sinnvoll, bedarf aber einem Einsatz von Tauchern oder Fernmanipulatoren. Die Notwendigkeit der exakten Positionierung der Sprengladung erfordert zusätzlichen Zeitaufwand mit dem Risiko, entdeckt zu werden.

(Gewerbliche) Schneidladungen hinterlassen eine charakteristische Schnittfläche, die mit der Trennung mit einem Schneidbrenner vergleichbar ist. Siehe dazu das Foto der Trennfläche einer gesprengten Pardune des ehemaligen Mittelwellensenders Heusweiler. Charakteristisch für das Sprengergebnis gewerblicher Schneidladungen ist der Auftrag eines Metalls mit hoher Dichte als Bestandteil des “Liners” der Schneidladung auf der Schnittfläche des Werkstücks. Schneidladungen, wie Semtex Razor oder Linear Cutter verwenden zur Erhöhung der Durchschlagskraft hier Kupfer. Der Einsatz von Schneidladungen kann mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, da angesichts der Rückschlüsse anhand der seismischen Auswertung nicht nach dem üblichen Prinzip minimale Explosivstoffmengen für maximale Wirkung gearbeitet wurde und der Arbeitsaufwand zur Befestigung einer höher dimensionierten Schneidladung an mehreren Stellen radial um die gesamte Rohrleitung aufwändiger ist als bei der im folgenden beschriebenen Methode.

Ausgehend von einem Durchmesser von 1153 mm und einer Wandstärke von ca. 40 mm ergibt sich ein Umfang von π * (1153 + 40 + 40) mm = ca. 3,9 Meter. Dementsprechend lang muss eine direkt an der Rohraußenseite radial angebrachte Schneidladung mit entsprechener Leistungsfähigkeit zur Trennung von 40-Millimeter-Stahl sein. Damit ergibt sich pro Rohr-Schnitt mindestens ein benötigter Bedarf an Sprengstoff von ca. 8 kg bei Verwendung einer gewerblichen Schneidladung mit plastifiziertem Kupferliner und dem Sprengstoff Semtex. Oder alternativ 2,6 kg bei einer Hexogen-/RDX-basierten Schneidladung mit weitgehend starrem Kupferliner. Diese Explosivstoffmengen sind so gering, dass ihre Detonation seismografisch nicht auffallen würde. Schneidladungen mit der seismisch ermittelten Explosivstoffmenge bezogen auf den Rohrumfang sind nicht bekannt. Aufgrund ihrer Überdimensionierung hinterlassen sie zudem keine glatte Schnittfläche.

Detailansicht Stahlsprengung mittels Semtex-Schneidladung
Detailansicht der mit Schneidladung erzeugten Schnittflächen

Mit flexiblen Schneidladungen lassen sich Öffnungen auch in unter Druck stehenden Rohrleitungen schnell und sicher anfertigen.

Möglichkeit 3: Sprengung von Nordstream durch außerhalb angelegte geballte Ladung oder Beschuss

Die Beschädigungen befinden sich in einer Wassertiefe von ca. 70 Metern. Berufs- und Waffentaucher können in solchen Tiefen auch in der Ostsee arbeiten, um die zuvor diskutierten Schneidladungen oder – noch einfacher – geballte Sprengladungen in Form von Minen anzubringen. Auch moderne U-Boote sind für eine subversive Vorbereitung ausgelegt. Daher ist es durchaus vorstellbar, mit einer sogenannten angelegten geballten Sprengladung die Beschädigung herbeizuführen. Die dazu erforderliche Menge an Sprengstoff muss ausreichend dimensioniert sein, um den 6 bis 15 cm starken Betonmantel (oder die Polyurethanschicht zwischen den Betonummantelungen) mitsamt dickwandigem Stahlrohr zu perforieren. Der seismisch ermittelte Wert von über 100 kg TNT-Äquivalenten ist rechnerisch mehr als ausreichend für eine an die Gasleitung angelegte Sprengladung zur sicheren Herbeiführung einer Zerstörung. Das Seewasser als “Verdämmung” beeinflusst das Sprengergebnis zudem positiv. Sprengladungen könnten auch mit ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen (ROUV) angebracht werden. Taucher und Tauchroboter lassen sich von (getarnten) Handelsschiffen aus unbemerkt einsetzen. Durch Einsatz von Zeitzündfunktionen oder ferngesteuerter Auslösung der Sprengladungen kann die Vorbereitung daher auch schon viele Tage/Wochen/Monate zuvor stattgefunden haben.

Plastischer Sprengstoff, wie Semtex, kann mindestens zehn Jahre ohne Qualitätsverlust gelagert werden. Zuvor beobachtete amerikanische Kriegsschiffe in der Nähe der Tatorte sind daher kein Beweis für die Täterschaft der USA.

Ebenfalls ist auch ein Beschuss mit einer Kriegswaffe (z. B. Torpedo) denkbar. Hier besteht aber das Risiko, dass deren Trümmerteile die Herkunft verraten.

Um einen Eindruck der Wirkung von auf Stahl angelegtem Sprengstoff zu erhalten, zeigt das folgende Foto das Ergebnis der penetrierenden Wirkung von 250 Gramm des plastischen Sprengstoffs Semtex auf eine 13-mm-Stahlplatte. Der Sprengstoff wurde hier als Hohlladung eingesetzt und wirkte von der Unterseite der Metallplatte aus gesehen nach oben. Zur Reduzierung der Gefahr von Splitterflug wurde bei der Sprengung die Ladung über der Metallplatte positioniert und wirkte nach unten.

Ebenfalls abgebildet ist der aus dem militärischen Bereich stammende Sprengstoff Semtex. Hier handelt es sich um einen formbaren (plastischen) Sprengstoff mit hoher Brisanz. Semtex ist wie andere militärische Sprengstoffe (C4, …) wasserbeständig und lässt sich ohne Qualitätsverlust um die zehn Jahre lagern/aufbewahren. Seine Wasserfestigkeit ermöglicht den Einsatz unter Wasser bis 100 Meter Tiefe.

Für eine qualifizierte Aussage über die Ursache der Zerstörung der Nordstream-Pipelines bedarf es der Forensik der beschädigten Leitungen. Nur so kann eine Aussage über den eingesetzten Sprengstoff getroffen werden. Mit der Sicherstellung von Fragmenten (Splittern) kann ggf. der Einsatz von Kriegswaffen bewiesen werden.

Auswirkung von Semtex auf eine Metallplatte
Auswirkung von 250 Gramm Semtex auf eine 13-mm-Stahlplatte
"Plastiksprengstoff" Semtex
Plastischer Sprengstoff SEMTEX als mögliches "Werkzeug" des Anschlages

Fazit und Aktualisierung der Arbeitshypothese der Sprengung von NordStream (Stand 02.11.22)

Schnittflächen der Nord Stream-Pipeline
Detailsicht der Schnittfläche einer beschädigten Nord Stream-Rohrleitung

Eine Spurenanalyse zur Ermittlung des eingesetzten Sprengstoffs dürfte aufgrund des Entweichens des unter Druck stehenden Gases in der Pipeline sowie eindringendem Seewasser herausfordernd sein. Zumal das Ostseewasser um Bornholm mit versenkter Munition und Sprengstoff (1,6 Millionen Tonnen laut Umweltbundesamt) aus dem Zweiten Weltkrieg bereits vorbelastet ist. Dass diese nach dem Weltkrieg achtlos in der Ostsee verklappte Munition sich jedoch detonativ gleich an mehreren Orten und gezielt im Bereich der Nord Stream-Gasleitung von selbst umgesetzt hat, ist unwahrscheinlich. Zumal die NordStream-Gesellschaft im Vorfeld der Errichtung der Pipeline bereits eine Prüfung auf Munitionsaltlasten hat durchführen lassen.

Seit dem 18.10.22 liegen erstmalig Videoaufnahmen einer zerstörten Gasleitung vor. Diese zeigen im vorherigen Bild eine erstaunlich glatte radiale Schnittfläche, welche untypisch für den Einsatz von Schneidladung oder einer innen angebrachten Sprengladung ist. Die anscheinend glatte Schnittfläche könnte durch Abtrennen des Rohres bei der Spurensicherung durch die schwedische Regierung im Nachgang des Anschlages zu erklären sein. Immerhin hat diese keinen Hehl draus gemacht, bereits am 06.10.22 Spuren gesichert und den Tatort um die beschädigten Pipelines wohl geräumt zu haben. Beweismittel wurden daher vor den Filmaufnahmen entfernt / gesichert.

Interessant ist jedoch die folgende (auch leider nur unscharfe) Aufnahme, welche zeigt, dass Teile der Nord Stream 1-Pipeline nach Angaben der NordStream-Betreibergesellschaft auf einer Länge von 250 Metern in den Meeresgrund gerammt wurden:

Teile der NordStream-Pipeline wurden in den Meeresgrund gedrückt
Die Explosion ramme Stahlrohre in den Meeresgrund

Krater von 3 bis 5 Meter im Meeresgrund können nur Folge extremer Druckwirkung sein und lassen auf eine angelegte Ladung mit mehreren 100 Kilogramm Nettoexplosivstoffmasse (NEM) an zwei Stellen auf der Oberseite der Pipeline schließen, welche beigetragen haben könnten, die Rohrleitung damit in den Meeresboden zu versenken und an beiden Stellen abzuscheren. Dass die Rohrleitungen gleich an zwei Stellen gesprengt wurden (eine Sprengung hätte zur Nichtbenutzbarkeit der Gaspipeline ausgereicht), kann aus Redundanzgründen erfolgt sein. Soll heißen: auch bei Sabotageakten kann nie ausgeschlossen werden, dass eine Sprengladung bzw. der Zünder versagt, so dass mit einer zweiten, örtlich versetzten Sprengung die Wahrscheinlichkeit der gewünschten Zerstörung erhöht wird. Auch im Bereich des gewerblichen Abbruchs wird je nach Kritikalität von redundanten Sprengladungen und Zündern Gebrauch gemacht, siehe dazu auch mein Blog-Beitrag Sendeschluss.

Die Hypothese einer Sprengung von innen kann damit verworfen werfen, weil dies zu einer Aufsplitterung der Rohrleitung geführt hätte und der Effekt des Eindrückens in den Meeresboden mit einer eingebrachten Sprengladung so nicht erfolgt wäre. Auch die Option der “chirurgisch-präszisen” Verwendung von Schneidladung dürfte ausgeschlossen werden, weil die benötigten Sprengstoffmengen von um die 10 kg Nettoexplosivstoffmasse (NEM) pro Schnitt seismisch unbemerkt geblieben wären und eine radial aufgebrachte Schneidladung das Eindrücken in den Meeresboden nicht erklären ließe. Bedeutet: Der Täter legte es durch Wahl überdimensionierter Sprengladungen bewusst auf die “Sichtbarkeit” der Zerstörung ggf. mit “militärischer Handschrift” an. Mit dem sich ergebenen Bild (Eindrücken der Rohrleitung in den Meeresgrund, ggf. Abscheren und seismisches Muster als Indikator für die Explosivstoffmenge) könnten als Sabotagemittel für die Zerstörung kritischer Infrastruktur Seeminen zum Einsatz gekommen sein (siehe obige Variante 3).

Die Unterkategorie der Grundminen ist für diese Wassertiefen konzipiert. Sie enthalten Sprengstoff mit der seismisch ermittelten Menge. Die Faktoren (Wirkungsrichtung, Sprengstoffmenge) lassen vermuten, dass die Sprengladungen (Minen?) auf der Oberseite der Rohrleitungen positioniert wurden.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde der Anschlag auf die Gasversorgung durch Fachkundige mit Zugriff auf entsprechende Hilfsmittel und Logistik (z. B. U-Boot) durchgeführt. Zwar haben Klimaaktivisten mitgeteilt, Pipelines zu zerstören, sei ihre Pflicht. Ihre Täterschaft halte ich aufgrund des hohen Aufwandes und notwendiger Kenntnisse hier für unwahrscheinlich.

Dass die Urheberschaft der Zerstörung der Nord Stream-Gasleitungen schon aufgrund der Berührung mit Seewasser möglicherweise nie aufgeklärt wird, ist nicht unwahrscheinlich. Zusätzliche Intransparenz mit Spekulationspotenzial entsteht durch m. E. nicht nachvollziehbare Geheimniskrämerei. Denn sowohl Schweden, als auch Deutschland haben die Aufklärung zum Staatsgeheimnis gemacht.

Dieser Anschlag zeigt von Neuem, dass unsere Gesellschaft sich nicht in Sicherheit wiegen darf. Weil kritische Infrastruktur nicht hundertprozentig überwacht werden kann und damit anfällig für Angriffe ist. Diese können sehr preisgünstig durchgeführt werden. So beträgt der gewerbliche Einkaufspreis für plastischen Sprengstoff Semtex bei Abnahme kleiner Mengen 96 Euro pro Kilo. Der Schwarzmarktpreise beträgt ein Vielfaches. Ein elektrischer Sprengzünder ist für ca. 3 Euro erhältlich. Dies alles im Kontrast zu einem Schaden von über zehn Milliarden Euro allein bei Nord Stream 2. Dessen Reparatur ist jetzt fraglich, weil eindringendes Salzwasser die Innenbeschichtung beschädigt. Dies macht die Durchleitung von Gas damit wohl dauerhaft unbrauchbar. Zudem: wer garantiert, dass nach einer Reparatur nicht erneut ein Anschlag erfolgt, so lange der Verursacher der aktuellen Zerstöring nicht feststeht?

Zusammenfassend stellt sich die Frage: cui bono – wem nutzt es – den Russen? Sind die Anschläge zufällig so gestaltet, dass Gazprom seiner Vertragsstrafe entgehen kann aber eine Röhre von NordStream 2 zur Option der weiteren Belieferung intakt blieb? Dies, um innenpolitischen Unfrieden in Deutschland durch Streit um die Sanktionen aufrecht zu erhalten? So habe Putin die Belieferung mit Gas über die verbleibende Gasleitung angeboten. Hat Russland mit der Zerstörung von 3/4 der Kapazität eine dauerhafte Reduzierung geschaffen, die es ermöglicht, das jetzt überschüssige Gas an andere Nationen zu verkaufen? Wie sieht der Business-Case hier aus: Kosten aufgrund Verlust von drei von vier Gasleitungen vs. eingesparter Kosten von Pönalstrafen vs. Möglichkeit des langfristigen Verkaufes der Gaskapazität an andere Nationen?  
Oder nutzt es (indirekt) den Amerikanern, denen Nord Stream schon immer ein Dorn im Auge war und die damit jetzt die Abhängigkeit zu ihrem LNG-Gas erhöhen? Aber warum wurden dann nicht alle vier Gasrohre zerstört, wo doch bei den drei beschädigten Gasleitungen die Sprengsätze redundant angebracht wurden? Ist eine vollständige Zerstörung bewusst unterbleiben, um den Verdacht auf Russland zu lenken? Oder steckt hinter dem Sabotageakt auf kritische Infrastruktur eine andere Nation, wie z. B. England?

Fest steht: durch Nord Stream 1 floss seit September kein Gas mehr. Nord Stream 2 wurde nie in Betrieb genommen. Von daher ergibt die Zerstörung zum derzeitigen Zeitpunkt nur Sinn, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Wer immer die Sabotage durchgeführt hat, will mit der absichtlich bewusst lautstark durchgeführten Aktion möglicherweise mitteilen, sich zukünftig nicht auf die Sicherheit und Verfügbarkeit kritischer Infrastruktur zu verlassen. Nur einige Hundert Meter von den Detonationen an Nord Stream 1 und 2 verläuft ein wichtiges Untersee-Stromkabel von Schweden nach Polen – warum wurde dieses nicht zerstört oder ist es nur eine Frage der Zeit?

Bildnachweise:

1) Gestapelte Rohrleitungen für die Gasleitung North Stream 2 im Hafen Mukran, September 2020, Bildurheber: Pedant01

2) Seismogramm der wohl aufgrund Sprengung hervorgerufenen Erschütterungen, Bildquelle: Swedish National Seismic Network. Uppsala University

3) Das Gasleck bei Nord Stream 2, gesehen vom dänischen Abfangjäger F-16 auf Bornholm, Luftbild: Danish Defence Command

4, 5, 6) Gesprengte Pardune, Stahlplatte und Sprengstoff Semtex, Bildquelle: David Domjahn

7) Unterwasseraufnahmen der Gasleitung, Bildquelle: Schwedische Zeitung Expressen

Aktualisierung vom 20.11.2022

Mittlerweile sieht Schweden die Sabotage der Ostsee-Pipelines mittels Sprengstoff bestätigt. Zu diesem Schluss ist die schwedische Staatsanwaltschaft gekommen.

An den Gasleitungen wurden Spuren von Sprengstoff nachgewiesen. Welche Art von Sprengstoff eingesetzt wurde, ist nicht bekannt. Zivile Sprengstoffe sind seit vielen Jahren markiert, so dass eine Nachverfolgung bedingt möglich ist. Zudem existieren weltweit Altbestände mit unmarkierten Sprengstoffen mit langer Haltbarkeit.

Folgende Fragen sind weiterhin offen:

  • Wurde der Tatort in den jeweiligen Wirtschaftszonen und nicht staatliches Hoheitsgebiet bewusst gewählt?
  • Warum wurde nur einer der beiden Stränge von Nord Stream 2 zerstört? Angesichts des Aufwandes erscheint es merkwürdig, dass ein Viertel der Transportkapazität unbeschädigt blieb, wo an anderer Stelle sogar redundante Sprengladungen eingesetzt wurden.

  • Warum wurde Nord Stream 1 am 26.9.22 um 19:03 Uhr ziemlich genau 17 Stunden nach Nord Stream 2 (2:03 Uhr) gesprengt? Zeitverzögerte Sprengsätze wurden bereits von Terroristen zur Schädigung von eintreffenden Rettungskräften eingesetzt. Die Schädigung von Einsatzkräften bzw. Erkundungsteams halte ich für unwahrscheinlich, da das primäre Ziel ein Angriff auf die deutsche Gasversorgung war.

Aktualisierung vom 30.11.2022

Der BBC-Mitarbeiter Kosta Kallergis hat Untersuchungen des Tatortes begleitet und stellt auf seinem Twitter-Profil Videoaufnahmen sowie ein Sonarbild zur Verfügung (Herzlichen Dank an den Kommentator denkwertzeichen für den Hinweis!):

Sonarbild des Tatortes (Foto: Kosta Kallergis, BBC)

Auf dem Sonarbild ist eine weite Verteilung von Teilen der gesprengten Pipeline zu sehen. Weitere Detailaufnahmen im Video einer Unterwasserdrohne zeigen u. a. ein im Meeresboden senkrecht stehendes Stück Rohrleitung. Als Ursache für die räumliche Verteilung kommen die Faktoren Sprengung, Gasdruck sowie Meeresströmung in Frage. Möglicherweise wurden auch Teile der Pipeline im Rahmen der Spurensicherung verschoben bzw. wieder vom Schiff ins Meer geworfen, so dass sie sich jetzt an anderer Stelle befinden.

Im Sonarbild ist ein V-förmig geknicktes Rohrsegment auffällig. Dieses kann die Folge der Wirkung einer an das Rohr angelegten Sprengladung sein. Leider sind keine Detailaufnahmen/Videos der Knickstelle der Rohrleitung bislang öffentlich verfügbar.

Screenshot blueeye-Video (aus https://www.hispantv.com/noticias/rusia/555779/video-gasoducto-nord-stream)

Nach innen gebogene Rissflächen lassen auf eine Explosionswirkung von außen schließen. Sollte ein hochbrisanter Sprengstoff, wie beispielsweise TNT oder Semtex zum Einsatz gekommen sein, könnte der Sprengsatz auch in kurzer Distanz zur Pipeline positioniert worden sein, weil die zertrümmernde Wirkung hochenergetischer Sprengstoffe durch das Seewasser als Druckübertragungsmedium abgemildert wird, was das Eindrücken der Rohrleitung erklären könnte.

Eine in die Rohrleitung eingebrachte Sprengladung hätte Teile nach außen gebogen. Weitere Ausschlussgründe für im Rohrinneren positionierter Sprengstoff wurde im Beitrag sowie bei der Beantwortung von Leserkommentaren bereits dargestellt.

Aber auch anhand dieses und des bislang veröffentlichen Materials ergibt sich anhand der noch immer mageren öffentlich erhältlichen Spurenlage kein Hinweis auf die Täterschaft. Ein staatlicher Akteur scheint jedoch aufgrund des benötigten logistischen Aufwandes wahrscheinlich. Eine “sichere Auskunft über Impulsrichtung, relative Stärke etc. der Einwirkung ist nur durch metallografische Untersuchung von zweckmäßig entnommenen Materialproben möglich” sagt auch der Kollege Fritz Pfeiffer in seinem Gutachten

Nichts mehr verpassen? Für den Erhalt eines monatlichen Newsletters eine E-Mail an newsletter@sprengtechnik.de mit dem Betreff subscribe senden.

Bitte um Beachtung, dass Sie auf Antwort Ihres Kommentars keine E-Mail-Information erhalten. Bitte daher ggf. öfters vorbeischauen.

34 Antworten

  1. Sehr geehrter Herr Domjahn,

    Erst einmal so ziemlich das beste, was es über die Zerstörung von NS2 zu lesen gibt. Danke dafür.

    Eine Anmerkung hätte ich aber. Sie sprengen ja wahrscheinlich nie Dinge die unter Druck stehen.

    Deswegen nehmen Sie die Schneidladung aus der Theorie, weil ja ein seismisches Ereignis im Bereich von Hunderten kg TNT Äquivalent festgestellt wurde.

    Könnte nicht aber eine Schneidladung die unter Druck stehende Leitung zum aufreißen bringen? Theoretisch würde schon reichen nur die Hälfte der Stahldicke “anzusprengen” und den Innendruck den Rest erledigen lassen.

    Solch ein physikalischer Zerknall dürfte bei dem Volumen und Druck der Leitung ein ähnliches seismisches Ereigniss auslösen können.
    Ich persönlich kenne so etwas von “unbeabsichtigten” Explosionen von Druckgasflaschen oder auch Kesselwagen. Hinter profanem Druck steckt eine ungeheuer große Kraft.

    Ich würde denken, dass eine kleine Schneidladung doch einfacher versteckt anzubringen ist.

    Ansonsten sollten Sie Recht haben mit Ihrer Abwägung, würde ich zur Theorie 3 ergänzen, dass Seeminen, Torpedosprengköpfe etc. doch eher unwahrscheinlicher sind, aus dem selben Grund den Sie bei dem Wartungsmolch anführen. Reste dieser militärischen Apparate könnten identifizierbar sein und damit auf die Urheberschaft hinweisen.
    Wenn dann würde ich doch nicht zurückverfolgbaren Sprengstoff nehmen mit möglichst Standard Komponenten.

    Viele Grüße
    Dominik

    1. Herzlichen Dank für Ihr Lob und Ihr Interesse verbunden mit Fragen!

      > Sie sprengen ja wahrscheinlich nie Dinge die unter Druck stehen.
      Das ist tatsächlich nicht der Fall. Ausnahmen gibt es z. B. im Katastrophenschutz bzw. bei der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, unter Druck stehende Behälter in einen sicheren Zustand zu überführen. Hierzu kann mit einem kleinen Schnitt durch Schneidladung gezielt ein Loch zur Druckentlastung aus sicherer Entfernung gesprengt werden.

      > Könnte nicht aber eine Schneidladung die unter Druck stehende Leitung zum aufreißen bringen?
      > Theoretisch würde schon reichen nur die Hälfte der Stahldicke “anzusprengen” und den Innendruck den Rest erledigen lassen.
      Das ist theoretisch möglich und könnte die Sprengstoffmenge reduzieren. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass hier nicht unter einfachen Bedingungen gearbeitet wurde, d. h. in einer Wassertiefe von ca. 70 Metern, ggf. Strömung und schlechter Sicht. Ergänzend erschwert die Beton-Ummantelung das Erzielen einer solchen Präzision, weil Beton den “Jet” detonierender Schneidladungen abschwächt sowie verzerrt und damit kein glatter Schnitt als Voraussetzung für ein teilweises Trennen erfolgen dürfte.

      > Solch ein physikalischer Zerknall dürfte bei dem Volumen und Druck der Leitung ein ähnliches seismisches Ereigniss auslösen können.
      Das ist durchaus denkbar.

      > Ich würde denken, dass eine kleine Schneidladung doch einfacher versteckt anzubringen ist.
      Bei Schneidladung muss präzise gearbeitet werden. D. h. der Betonmantel oder der Zwischenbereich (Kunststoff) bei der Verschweißung radial zuvor entfernt werden, um die Schneidladung dann formschlüssig um das Rohr anzubringen. Auch das Entfernen der Betonumhüllung kann nicht lautlos erfolgen. Die Pipeline sei wohl auch akustisch überwacht und das mechanische Entfernen des Betons wäre auffällig und kostet Zeit verbunden mit dem Risiko, entdeckt zu werden.

      Viel einfacher ist es daher, Munition (Minen) neben der Pipeline zu platzieren und ggf. durch die Strömung gegen diese drücken zu lassen. Dies könnte das V-förmige Rohrstück erklären (mit Schneidladung ist eine solche Verformung nicht möglich).

      Munition sei in der Ostsee ausreichend vorhanden oder aus Kriegsgebieten “erhältlich”.

      Eine “sichere Auskunft über Impulsrichtung, relative Stärke etc. der Einwirkung ist nur durch metallografische Untersuchung von zweckmäßig entnommenen Materialproben möglich” sagt auch der Kollege Fritz Pfeiffer in seinem Gutachten: https://www.greenpeace.de/publikationen/Auswertungsbericht_Bildmaterial_pipeline.pdf

      Materialproben sowie Untersuchungsergebnisse hält die schwedische Regierung jedoch unter Verschluss, so dass basierend auf den öffentlich erhältlichen Informationen nur eine Hypothese entwickelt werden kann.

  2. Wie unfähig muß man sein, um Cyberangriffe auf IT noch als “russisch” zu bezeichnen?
    Seit 2013 konnte ich über Jahre und im Detailnachweis sehen, daß alle IT-Manipulationen und Angriffe ausschließlich von den bankrotten USA organisiert wurden. Manchmal kamen die Adressen direkt aus Gebäuden oder Anlagen der NSA selbst. Manchmal sind sie geschaltet über die Türkei aus dortigen US-Anlagen und Stützpunkten. Und einmal kam der Angriff von einem russ. Server, aber von einem PC, der die Arbeitssprache “en-us” eingestellt hatte. Ich denke nicht, daß sehr viele in Rußland unbedingt diese Sprache benötigen. Diese Beobachtung kam aber häufiger vor.
    Bei der bemerkten Parteilichkeit in der Sache habe ich die Angaben zu Nordstream dann nur noch überflogen und nicht mehr viel erwartet.

    1. Beiträge zu beginnen, den anderen als “unfähig” zu bezeichnen und dabei zu übersehen, dass ich von “vermehrten Angriffen” gesprochen habe (“Auch mein Unternehmen (telematis Netzwerke GmbH) stellt vermehrt Cyber-Angriffe auf die interne IT-Infrastruktur von russischen IP-Adressen fest.”), lässt nicht auf Differenzierungswillen schließen und lädt nicht zur weiteren Diskussion ein. Denn “vermehrt” ist keine Wertung, sondern eine Feststellung. Aber um den Eindruck von möglicher Parteilichkeit zu vermeiden, habe ich den ersten Abschnitt geändert.
      Denn, wie bereits dargestellt, ist auch Stand heute, 30.11.22, die öffentlich zugängliche Spurenlage ungeignet, die Täterschaft Russlands, der USA oder Groß Britanien zu beweisen. Auch persönlich habe ich keine Präferenz, wer als (staatlicher) Akteur in Frage kommen könnte. Es gibt Argumente außerhalb der sprengtechnischen Betrachtung, die für eine Täterschaft Russlands sprechen und Argumente gegen eine solche. Es wäre nicht überraschend, wenn mindestens die schwedische Regierung den Saboteur bereits kennt. Im Sinne der Transparenz lasse ich Ihren Kommentar stehen.

  3. Zu Robert (beitrag vom 4.11)
    Das die molch Theorie vom Tisch ist sehe ich nicht so. Dein einwurf: der molch hätte Monate vorher in Russland eingesetzt werden müssen stimmt so nicht! Er braucht gerademal 3 bis 4 Tage (siehe: https://m.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/die-gaspipeline-durch-die-ostsee-wird-von-einem-besonderen-molch-kontrolliert-12828597.html siehe letzter Satz des artikels)
    Der einwurf: mit dem gasfluss stimmt natürlich aber es gibt auch die Möglichkeit eines molches mit einem eigenem antrieb.

    1. Vielen Dank für den Einwand! Beide Pipelines waren zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in Betrieb, d. h. das Gas „stand“. Bitte Belege bringen, wonach die für Nord Stream eingesetzten „PIGs“ einen eigenen Antrieb hatten. Aus bisherigen Informationen geht hervor, dass diese mit dem Fluss angetrieben wurden, siehe z. B. https://www.wermac.org/nordstream/html_img86.html
      Wesentliche Gründe, warum ein Einsatz von Sprengstoff im Inneren der Leitung ausgeschlossen werden kann:
      1) die Druckrichtung der Explosion wirkt sich nach allen Seiten aus und führt nicht dazu, dass Teile der Nordstream-Pipeline in den Meeresboden gedrückt werden,
      2) neue Aufnahmen zeigen, dass Teile der Rissflächen nach innen zeigen. Diese Wirkung lässt sich nur durch eine von außen angelegte Sprengladung begründen,
      3) mit einer Sprengung an drei Stellen und wohl teilweise auch redundant hätten mindestens drei Wartungsroboter eingesetzt werden müssen. Hätten diese keinen eigenen Antrieb gehabt, wäre es eine Herausforderung, diese annähernd ins gleiche Zielgebiet fahren zu lassen, zumal Nordstream 2 nie in Betrieb ging,
      4) der Einsatz von Wartungsgeräten würde den Täterkreis eingrenzen. Würde Russland den Anschlag verantworten, hätte es kein Interesse, als Täter infrage zu kommen, zumal Russland bereits die andere Nationen verdächtigt hat. Das Einbringen von „Molchen“ auf deutscher Seite könnte nur mit selbstfahrenden Robotern gelingen,
      5) bei der Detonation hätten Teile der mit zerstörten Wartungsroboter gefunden werden müssen.

  4. Bitte den Thread von @KallergisK (BBC auf Twitter) hier mit einarbeiten.
    Kostas Kallergis hat am 27. Oktober 2022 mehrere Stunden an der Stelle der zerstörten Pipelines North Stream 1 verbracht.
    Es gibt neue Kamerabilder von “BlueEye” sowie aufschlussreiche Sonar-Aufnahmen.
    Die erläuterten Sonaraufnahmen kartieren das Gelände und die am Meeresgrund gefundenen Rohrstücke.
    Ein stehendes Rohrstück (ca. 5 m lang) und ein liegendes Rohrstück mit Knick (ca. 50 m lang).
    Diese Rohrstücke liegen etwa 150 m von der Pipeline North Stream 1 entfernt.
    Die Arbeit von Kostas Kallergis liefert neue Einblicke und Details.

  5. Die von einigen Kommentatoren eingebrachte Molch-Hypothese kann im Fall von Nord Stream 2 ausgeschlossen werden. Die Molche, die zu Wartungszwecken eingesetzt werden, haben keinen eigenen Antrieb. Sie werden vom Gasstrom in der Leitung mitgezogen. Nord Stream 2 war aber nie in Betrieb. Es gab keinen Gasstrom, der einen Molch hätte mitziehen können.
    Nord Stream 1 war auch schon seit Monaten nicht mehr im Betrieb. Ein eventueller Molch hätte schon vor Monaten eingeführt worden sein müssen.
    Wenn man noch die vom Autor genannten Argumente hinzuzieht, vor allem die in den Meeresgrund gedrückte Leitung, kann man die Molch-Hypothese begraben.

  6. Hallo zusammen,
    schaut Euch mal das Bild mit dem verbliebenen Rohrende(Pipeline) genau an, dann seht ihr nicht nur die blanke Fläche der Rohrwandung,
    welche beim Abtrennen eines durch die Sprengkraft zerfetzten Randstückes entstanden war und schon vor der gezeigten Bildaufnahme,
    zur weiteren Beweissicherung/Untersuchung mit mit an Land genommen wurde.
    Wenn ich die Bildbreite von links ausgehend, in vier Teilflächen einteile, dann erkenne ich eindeutig,
    in der ersten Teilfläche über dem Rohr eine gerödelte Drahtschlaufe mit nach oben zeigendem Draht.
    Wahrscheinlich sind auch von links gesehen, in der dritten Teilfläche noch zwei Dräte zu sehen.
    Nun frage ich mich, wurden vielleicht die Unterwassergrundminen auf das Rohr in einer Länge von ca. 50 Metern abgelegt und mit Draht gesichert,
    damit sie nicht vor dem Zünden von dem rundem Rohr abrutschen. Denn das die Sprengkraft von oben kam ist für mich klar,
    sonst wäre das Rohr ja nicht so tief in den Meeresboden reingepreßt worden, wobei es natürlich beidseitig von der nicht mit Minen bepackten
    Pipeline abgetrennt wurde. es scheint kein typischer Sprengstoff-Schnitt mit fast geraden Scherkanten zu sein, sondern durch die Minen wurden
    die Bruchränder zerfetzt. Ich nehme auch an, das sich das abgesprengte Rohr(Pipeline) noch in der Vertiefung des zweiten Bildes befindet.

    1. Vielen Dank für die Anmerkungen. Hier meine Einschätzung:

      > schaut Euch mal das Bild mit dem verbliebenen
      > Rohrende(Pipeline) genau an, dann seht ihr nicht
      > nur die blanke Fläche der Rohrwandung, welche
      > beim Abtrennen eines durch die Sprengkraft
      > zerfetzten Randstückes entstanden war

      Siehe dazu den obigen Beitrag – sollte die Trennfläche anscheinend in dieser glatten Form vorliegen, könnte dies vom nachträglichen Absägen anlässlich der Spurensicherung zurückzuführen sein. Unstrittig ist, dass die Auswirkung einer Mine ein anderes Spurenbild hinterlässt.

      > Nun frage ich mich, wurden vielleicht die
      > Unterwassergrundminen auf das Rohr in
      > einer Länge von ca. 50 Metern abgelegt

      das ist durchaus möglich und wurde im Beitrag bereits dargestellt.

      > und mit Draht gesichert, damit sie nicht vor
      > dem Zünden von dem rundem Rohr abrutschen.

      Eine Befestigung des Sprengsatzes an dieser Stelle (Position etwaiger Drähte im Bild) dürfte äußerst unwahrscheinlich sein, denn die seismisch
      ermittelte Sprengkraft dürfte geeignet sein, dem Schicksal eines zur Befestigung eingesetzten Drahtes ein jähes Ende zu bereiten.

      > Ich nehme auch an, das sich das abgesprengte
      > Rohr(Pipeline) noch in der Vertiefung des
      > zweiten Bildes befindet.

      Was inzwischen anlässlich der Beweisaufnahme gesichert ist, ist unklar – leider haben Schweden und auch andere Länder die Angelegenheit als Geheimsache klassifiziert.
      Sollten jedoch zwei im Abstand von ca. 50 Metern voneinander auf derselben Rohrleitung platzierte Sprengkörper (z. B. Minen, Torpedoköpfe, etc.) eingesetzt
      worden sein, müsste dies anhand der Spurenlage an den vier Trennungen nachvollziehbar sein.

  7. Hallo,
    In einem anderen Artikel (leider weiß ich nicht mehr wo) habe uch gelesen, die gerade Schnittkante würde daher rühren, dass die Schweden das Stück Rihr abgeschnitten hätten, um die Explosionsstelle an Land untersuchen zu können.

  8. nord-stream-in-zahlen_177_20131128.pdf
    Im PDF der Nordstram AG steht, dass 24 Stunden, 7 Tage pro Woche die Überwachung der Pipeline für die Betriebssicherheit erfolgt. Weiß jemand, wie das gemacht wird? Kamera per Funk? Da auch die Wintershall Dea beteiligt ist, hätten die Deutschen nicht mehr Interesse, das aufzudecken?

  9. Das sehe ich nicht so. Sicherheitsrelevante schweißnähte sollten geröntgt werden, was hier aber nicht geschah. Und jede Prüfung hat ihre Grenzen + fehlermöglichkeiten, letztendlich auch die menschliche störquelle. In Frankreich stehen übrigens alle AKW’s z.Z. Still wegen fehlerhafter schweißnähte und die wurden garantiert mehrfach geprüfte!
    Bei nordstream werden um die 100000 schweißnähte erforderlich gewesen sein inklusive Prüfung, da kann schon mal ein Fehler auftreten. (siehe auch: Meldung vom 21. April 2008 schreibt „Der Spiegel“, die Nord Stream-Pipeline würde nur einer mittelmäßigen Sicherheitsprüfung unterzogen)
    Ich geb dir aber recht mit dem Verursacher, dies deutet auf einen einzigen, der profitiert aber auch sehr von diesem Schaden und musste die Pipeline nicht bezahlen. Aber bei sprengungen bleiben immer Beweise zurück, das wird sich auch hier noch zeigen… Ich bleib dabei: Methode 1.!!!

  10. Mir ist leider nicht bekannt, ob diese Art Wartungsrobotoren zum Einsatz kamen oder kommen. Unabhängig davon dürfte diese Methode auf Insider-Wissen schließen lassen. Klar kommen Molche regelmäßig in Pipelines zum Einsatz und an so einem molch eine ladung anzubringen wäre kein Problem, schicke ich hinter dem 1. Molch einen 2. Molch (ohne ladung) dann bringt die sprengladung sogar mehr, da der Druck nichtin der Leitung verpufft. Das erklärt auch, wieso mal eben 50meter)Leitung weg sind, ist nämlich genau die Entfernung zwischen beiden Molchen. Die sehr gerade risskannte deutet zwar auf eine schneidladung aber hier ist sie eher auf eine materialschwachstelle (zb. Schweissnaht) zurückzuführen. Es ist also die Methode 1. Das erscheint mir auch am einfachsten durchzuführen ohne selbst vor Ort sein zu müssen oder gar Taucher einsetzen zu müssen.

    1. Den Einsatz von Wartungsrobotern (eingebrachte Sprengladung) kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, weil als Ergebnis einer Sprengung der Gaspipeline von innen keine glatte Schnittkanten die Folge wären. Auch der Personenkreis der Verdächtigen ließe sich eingrenzen. Materialfehler, die zu einer glatten Schnittkante führen, sollten ebenfalls unwahrscheinlich sein, weil alle Schweißnähte zertifiziert seien: https://www.nord-stream.com/de/presse-info/pressemitteilungen/zertifizierung-der-nord-stream-pipeline-nach-internationalen-standards-135/

  11. Nun gibt es ja Unterwasser-Filmaufnahmen von dem Leck und auch die Aussage, dass etliche Meter Leitung fehlen. Wie beurteilen Sie diese Bilder in Bezug auf die unterschiedlichen Szenarien?

    1. Leider lässt sich abschließend nichts Definitives sagen. Hier muss erst der Verbleib des Reststückes geklärt werden. Auch ist Bildmaterial der anderen Seite der Rohrleitung sowie der anderen Schadensstellen hilfreich. Die schwedische Regierung stuft die Aufklärung als geheim ein (https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-und-2-Schweden-behaelt-Untersuchungsergebnisse-fuer-sich-7309466.html) – es könnte daher durchaus sein, dass nie alle Details ans Licht kommen.

  12. Vielen Dank für den sachlichen Artikel. Könnten Sie das “Seismogramm” bitte genauer erläutern, falls Sie Gelegenheit finden, evtl. mit Pfeilen? War es nur eine Detonation oder drei Detonationen und wie läßt sich dies ablesen? Der Sprengstoff müßte ja bei Hypothese 3) irgendwie auf den Rohren befestigt gewesen sein, oder eher zwischen Rohr und Meeresgrund “eingeschoben”, damit nicht ein Anker “versehentlich” ihn entfernt. Dann müßte ja sich das Rohr auch etwas angehoben und von der Lage verschoben haben, oder? Mir ist übrigens ein Rätsel, warum der gesamte Sachverhalt nicht ein viel größeres Thema in den deutschen Medien ist.

    1. Herzlichen Dank für die Rückmeldung! Da ich kein Fachmann für die Interpretation des Seismogramms bin, kann ich leider nur auf die Dänen (GEUS) verweisen und deren Seite – hier geht man jedoch auch nicht tiefer ins Detail.
      Da die Zerstörung mehrerer Rohre erfolgte, kamen hierzu mehrere Ladungen zum Einsatz. Diese wurden zeitversetzt gezündet (2:03 Uhr und 7:03 Uhr Dänische Zeit am 26. September 2022).

      Zu 3) Ohne eine genaue Aufnahme des Tatortes wird sich die eingesetzte Methode nicht aufklären lassen. Mittlerweile liegen zwar Unterwasseraufnahmen der Nord Stream-Pipeline vor. Hier erscheinen die Schnittflächen sehr präzise und glatt, was den Einsatz von Schneidladung vermuten lässt. Für eine definitive Aussage ist es jedoch m. E. noch zu früh, weil die Unterwasserkamera leider nicht noch näher an die Schnittfläche herangezoomt hat. Hilfreich wäre zudem die Bergung eines herausgelösten Teils für eine genauere Betrachtung der Schnittfläche und Untersuchung auf metallische Anhaftungen z. B. von Kupfer, wie es durch den Munroe-Effekt (https://de.wikipedia.org/wiki/Munroe-Effekt) in Schneidladungen fokussiert ins zu trennende Material eingebracht wird und an den Schnittflächen anhaftet.

  13. Gute Analyse. Tauchroboter gibt es in vielen Grössen und Ausführungen auf dem legalen Markt. Viele Firmen im Offshore-Baugewerbe haben solche, Survey-Firmen ebenso. Die meisten haben Kameras und sind über eine Nabelschnur an das Mutterschiff gekoppelt, weil das Übertragen von Funkdaten unter Wasser schwierig ist. Es gibt jedoch, weniger häufig, semi-autarke Systeme.
    Ob man angebrachte Ladungen über Funk aus grosser Entfernung zünden kann, ist mir nicht bekannt. Sie könnten jedoch mit datum- und zeitgesteuerten autarken Zündsystemen ausgestattet gewesen sein.

  14. Sollte jemand anders der Täter sein, wäre es ihr oder ihm wohl egal. Und wie gesagt: Man bräuchte ja vermutlich nicht einmal einen Molch, den man wieder retten müsste, um dessen Herkunft zu verschleiern. Vermutlich reicht ein “Mini-Fallschirm” an der Ladung, um in Transportrichtung mitgerissen zu werden.

  15. Der focus hat einen Artikel der SZ “übernommen, ein Interview mit Andrij Koboljew (https://en.wikipedia.org/wiki/Andriy_Kobolyev) übernommen. Dessen Aussage ist, dass nur Russland hinter der Pipeline-Sabotage stecken kann.

    https://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/ukrainischer-energie-experte-sicher-russland-hat-sprengstoff-schon-beim-bau-der-pipelines-angebracht_id_158521210.html

    Für mich stellt sich di8e Frage, wie die Zündung hätte erfolgen können?

  16. Hallo David,
    dem Kommentar von Raphael Kröger schließe ich mich an.
    Allerdings habe ich noch nicht verstanden, warum nicht auch im laufenden Betrieb ein Molch eingebracht worden sein könnte, der eine Ladung irgendwo ausgesetzt haben könnte, die zeitgesteuert nach Bergung des Molches an einem dafür vorgesehenem Wartungspunkt losgeht… Die Ladung müsste ja wohl in diesem Fall nicht einmal als Schneidladung platziert sein, sondern könnte sogar in der Leitung treibend explodieren und den Schaden anrichten? Je nachdem wäre es ja dann sogar ausreichend, die Ladung ohne Molch einzubringen und sie einfach eine bestimmte Zeit im Durchfluss mitnehmen zu lassen…?
    Gruß,
    Detlef

    1. Herzlichen Dank für die Rückmeldung, Detlef! Prinzipiell wäre das Einbringen von Sprengstoff (viel benötigt man nicht) durch einen Molch auch eine Möglichkeit und dürfte unter die Variante 1 fallen. Allerdings dürfte diese Methode auf Insider-Wissen schließen lassen. Sollte Russland der Täter sein, möchte das Land alles verhindern, was den Verdacht von einem Innenangriff befeueren könnte.

      1. Hätte eine solche von innen erfolgte Zündung nicht zur Folge, dass auch das Gas gezündet hätte? das hätte die Gasleitung dann in Längsrichtung aufreißen lassen, wie ein Würstchen im kochenden Wasser und es hätten sich ganz andere Oberflächenbilder der See gezeigt.

        Nach meinem Dafürhalten erfolgte der Eingriff von außen.

    2. >im Durchfluss mitnehmen zu lassen…?
      Welcher Durchfluß?
      In allen Röhren gab es keinen Durchfluß, die Gaslieferung war eingestellt (NS1) bzw. nie aufgenommen (NS2).

  17. Könnte nicht auch durch einen Molch später eine Sprengladung von Innen angebracht worden sein.
    Dann hätte es mich so früh vorbereitet werden müssen. Wobei das möglicherweise dann den Seismischen Messungen widerspricht sieh Erklärung zu Version 1

    1. Herzlichen Dank für die Rückmeldung! Prinzipiell wäre das Einbringen von Sprengstoff (viel benötigt man nicht) durch einen Molch auch eine Möglichkeit und dürfte unter die Variante 1 fallen. Mir ist leider nicht bekannt, ob diese Art Wartungsrobotoren zum Einsatz kamen oder kommen. Unabhängig davon dürfte diese Methode auf Insider-Wissen schließen lassen. Sollte Russland der Täter sein, möchte das Land alles verhindern, was den Verdacht von einem Innenangriff befeueren könnte.

  18. Sehr anschaulich beschrieben was passiert sein “Könnte”.
    Für sowohl Personen die im Umgang mit Sprengstoffen erfahren sind als auch unerfahren leicht verständlich geschrieben. Dabei sehr Sachlich, unaufgeregt und objektiv.
    Danke David

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert