Die Gemeinschaft der Menschen, die (neben-)beruflich mit Sprengstoff zu tun haben, ist überschaubar. Daher nicht unüblich, Anfragen von Medienvertretern zu erhalten; so kürzlich bei mir die BILD am SONNTAG mit ca. 7 Mio. Lesern Reichweite.

SWR-Studio Karlsruhe

"Können Sie etwas zur Sprengung von Geldautomaten sagen?"

Sprengung Geldautomat BamS

Ob ich etwas fachlich zum Thema Sprengung von Geldautomaten beitragen könne, wollte Constantin Weeg, Redakteur der BILD am SONNTAG, am Telefon neulich von mir wissen.

Identität des Redakteurs bestätigen lassen

Dass mich ab und an eine Presseanfrage über diese Seite erreicht, ist nichts Außergewöhnliches. Ist mir der Journalist noch unbekannt, lasse ich mir seine Identität per E-Mail bestätigen und rufe dann umgehend zurück. Denn nicht alle Informationen, die Sprengstoffkriminalität betreffen, sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Dazu gehört auch das Wissen, wie man beispielsweise mit Explosivstoff mehr oder weniger effektiv Geldautomaten sprengt, um an das dortige Bargeld zu gelangen. Jedoch ist es manchmal hilfreich, Journalisten zu solchen Themen Hintergrundinformation mitzuteilen, damit diese Sachverhalte entsprechend einschätzen und wiedergeben können.

"Unter drei" oder Information "off the record"

Solche Hintergrundinformationen, die für die Veröffentlichung nicht bestimmt sind, werden auch unter drei oder off the record genannt, siehe dazu hier oder dem ausführlicheren Beitrag im SPIEGEL zu dem Thema. Hiervon habe ich nicht nur in diesem Fall, sondern bereits auch schon an anderer Stelle z. B. anlässlich meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit bei einer Bundesanstalt Gebrauch gemacht. Aber auch wenn bei vorab produzierten Radio- oder Fernsehinterviews tückische Fragen gestellt werden, aus denen man sich sonst „herauswinden“ müsste (was bei Radio- und Fernsehbeiträgen nicht unbedingt einen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlässt), kann eine Off-the-record-Sprachregelung helfen – wenn man nicht gerade auf einer Pressekonferenz einem breiten Publikum live Auskunft geben muss. Sonst ist es bei heiklen Fragen im Einzelgespräch mit Journalisten durchaus zulässig, zu bitten, Kamera und Mikrofon kurz auszuschalten, um dem Journalisten die für sein Verständnis notwendigen vertraulichen Informationen mitzuteilen. Wichtig: Hier unbedingt auf die Vertraulichkeit der Information hinweisen, da sonst alles Gesagte verwendet werden kann!

Vorherige Autorisierung von Zitaten?

Was womöglich nicht bekannt ist: Vereinbart man im (Telefon-)Interview mit Medienvertretern keine Autorisierung seiner Zitate, besteht die Gefahr, in Print- oder Online-Medien falsch oder unvollständig wiedergegeben zu werden. Rechtlich nicht zu beanstanden und mir in früheren Zeiten schon passiert, als ich noch keine Medienerfahrung hatte: Gespräche mit anfragenden Journalisten verwechselte ich damals als freundschaftlichen Plausch, freute mich über die Neugier des Journalisten und wunderte mich anschließend am nächsten Tag über abgedruckte Zitate, die ich jedoch so nie gesagt hatte, aber gut zur Story passten. Sei’s drum.

Dies ist nicht unbedingt böse Absicht von Journalisten, sondern auch dem Zeit- und Erwartungsdruck in den Redaktionen geschuldet. Nachträglich etwas zu korrigieren, ist jedoch nahezu aussichtslos – denn was gedruckt ist, ist gedruckt und selbst ein Online-Beitrag wird erfahrungsgemäß nicht mehr angefasst.

Das Recht, nicht falsch zitiert zu werden, ist aber Teil des Persönlichkeitsrechtes – bitte aber unbedingt dabei beachten, dass die Zitatfreigabe zwingend gleich zu Beginn des Interviews mit dem Journalisten vereinbart werden muss. Sicherheitshalber empfiehlt es sich, nach dem Interview dem Journalisten diese Bitte per E-Mail zusätzlich mitzuteilen und sich natürlich für sein Interesse zu bedanken. Bislang habe ich noch keine schlechten Erfahrungen mit Journalisten gemacht.

Kein Anspruch, Beiträge vor der Veröffentlichung zu erhalten

Ein Anspruch auf die vorherige Vorlage zur Einsicht des zu veröffentlichen Beitrages besteht übrigens nicht. Daher es ist auch nicht üblich, Artikel zur fachlichen Prüfung vorab zu erhalten. Aber es schadet nicht, dies dem Redakteur anzubieten – nicht, weil man ihm misstraut, sondern um die fachliche Qualität des Beitrages zu erhöhen – in der Regel wird dieser den Wunsch aber höflich ablehnen.

Hier der BamS-Beitrag https://www.bild.de/news/inland/news-inland/bka-schock-zahlen-jede-nacht-explodiert-in-deutschland-ein-geldautomat-76967936.bild.html

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